Simon Pfeffel – In a constant State of Limbo


Simon Pfeffel lebt und arbeitet in Karlsruhe, wo er internationale Projekte anstößt und zudem Künstler aus aller Welt ausstellt. Sein Medium ist die Performance, sein "Spielfeld" ist der öffentliche Raum. Gerade war er in Paris, Teheran, London, Berlin...er performt im öffentlichen Raum und sorgt für destabilisierende Momente und Begegnungen, die unsere urbanen Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster auf die Probe stellen:

Ort meiner Handlungen ist fast immer der öffentliche Raum, der bewohnte Raum, meist Stadtraum, freie Fläche, umgeben von Architektur. Hier bewegen wir uns, zur Arbeit, um einzukaufen, um alltägliche Strecken zurückzulegen. Die Akteure meiner Handlungen – jeden Betrachter meiner künstlerischen Arbeiten fordere ich zur Handlung auf, so werden Betrachter immer auch gleichzeitig Mitwirkende – heften sich körperlich an diese Orte, oder sie hängen sich an zufällige Passanten, indem sie mit diesen mitgehen. Meine Handlungsanweisungen wirken zu Beginn monologisch, sind jedoch immer dialogisch entworfen: Das „ich“ und das „du“ sind feste Bestandteile. Wenn ich mit einer zufälligen Passantin im öffentlichen Raum mitgehe und ihre Schrittgeschwindigkeit annehme, dann verlasse ich meine eigenen Pfade und folge meinem Gegenüber. Deren Schrittgeschwindigkeit und – Rhythmus werden so Ausgangspunkt meiner Bewegung. Im Takt meines Gegenübers beginne ich laut „ich“ zu sprechen und wiederhole dies solange wie möglich. Dieses „ich“ ist natürlich das eigene ich. Gleichzeitig jedoch ist es das „ich“ meines Gegenübers. Die Irritation meines Gegenübers wird durch ein Paradox verstärkt: Wenn wir „ich“ sagen, konstituieren wir uns psychisch, ein Subjekt entsteht. Babys erfahren nach und nach ihre eigene Subjektivität, sie lernen das Wort „ich“ und dessen Bedeutung. Sie werden eigenständig und grenzen sich von ihrem Gegenüber ab. So ist das „ich“ immer auch ein „du“, weil erst das Eigene das Fremde schafft. Meine Handlungsanweisung fordert dazu auf, das „ich“ zu wiederholen. Die Wiederholung bedingt, dass das Wort „ich“ mit jedem Schritt an Sinn verliert. Wir erschaffen uns und zerfallen zur selben Zeit.

 

Mit dem Team der Stiftung CCFA Karlsruhe, wo er im Herbst 2017 eine Ausstellung im Rahmen der Reihe Retour de Paris zeigt, hat er speziell für unser neues Magazin eine performative Audio-Arbeit erstellt:

 


Sprecherin: Shanti (deutsch)


Sprecherin: Nina (deutsch)


Sprecherin: Morgane (français)


Sprecherin: Lola (français)


Sprecher: Julian (deutsch)


Sprecherin: Heike (deutsch)


Sprecherin: Elise (français)


Sprecher: David (français)